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GYMNASIUM SCHLOSS OVERHAGEN

 

 

Europa-Parlament ist keine „Laberrunde“

Ehemalige EU-Abgeordnete Mechtild Rothe räumt im Schloss Overhagen Vorurteile gegenüber der Staatengemeinschaft aus

 

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Auf die Frage, ob die Deutschen gute Europäer seien, antwortete Rothe zweigeteilt. Dass hier viel Europäisches für selbstverständlich genommen werde, sei jedoch vorbildlich. Foto: L.Nienaber

OVERHAGEN Von der anfänglichen Euphorie sei nicht mehr viel übrig, meinte Schulleiter Wolfgang Brülle am Gymnasium Schloss Overhagen, und auch laut Mechtild Rothe genießt ein „geeintes Europa" in mancher Hinsicht noch immer ein Schattendasein. Und Rothe weiß wovon sie spricht, denn die 62-jährige Politikern war bis vor wenigen Monaten über 25 Jahre im Europa-Parlament, zwischenzeitlich sogar als Vizepräsidentin des Gremiums aktiv.

overhforum2010Bei ihrer Stippvisite im Overhagener Forum räumte die Europa-Verfechterin nun mit Vorurteilen auf und warb bei den Teilnehmern für mehr Bereitschaft, am Prozess des Zusammenwachsens teilzunehmen. „Das Europa-Parlament, eine Laberrunde, die nichts zu sagen hat? Das war vielleicht früher mal so. Heute ist das anders", startete Rothe in ihr

Referat. Trotzdem sei diese Haltung gegenüber dem höchsten politischen Gremium der EU noch immer in den Köpfen präsent. Für die SPD-Frau liegt das vor allem an der fehlenden Aufklärung auf Seiten der Bürger. In den Jahren ihrer Abgeordnetentätigkeit sei sie immer wieder mit Vorurteilen, Fehlinformationen und dadurch auch politischem Desinteresse konfrontiert worden. Sogar absurde Anliegen seien an sie herangetragen worden. „Seit Jahrzehnten werde ich auf das Gerücht einer Krümmungsverordnung der Banane angesprochen. Das ist doch unfassbar", meinte Rothe.

Dass bei der Europawahl im vergangenen Jahr nur 43 Prozent der Bürger in den 27 Mitgliedsstaaten der EU den Gang zur Wahlurne gewagt hätten, sei daher nicht weiter verwunderlich, sagte die ehemalige EU-Parlamen- tarierin. Dabei steckten in der

„Friedensgemeinschaft" so viele Chancen, auch wirtschaftliche, die es zu nutzen gelte. Insbesondere aus der Sicht des Exportweltmeisters Deutschland. „Wenn wir die EU nicht hätten, müssten wir sie schaffen", erläuterte Rothe.

Allein die Tatsache, dass durch die Erweiterung der EU der Erneuerungsprozess des Ostblocks ein „soziales Gesicht" bekommen habe, sei Grund genug, auf Europa stolz zu sein. Auch den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei gewinnt sie vor allem Gutes ab. „Ein „Nein" wäre verhängnisvoll, denn es würde allein den nicht-demokra- tischen Kräften im Land helfen", erklärte die 62-Jährige. Im Anschluss des Vortrages stellte sich Mechtild Rothe noch den Fragen der 150 Zuhörer im Pausensaal des Gymnasiums. Dabei wurden auch aktuelle „Baustellen" wie Griechenland und Island angesprochen.

Quelle: Der Patriot 11. März 2010

 

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