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Overhagener Forum Prof. Dr. Heinz Holling, Münster Schulische Begabtenförderung Möglichkeiten und Maßnahmen in Deutschland Montag, 22. Okt. 2001
Mit freundlicher Unterstützung der STADTSPARKASSE LIPPSTADT
Pressebericht zum Vortrag von Prof. Holling:
Zu einem sachlichen und ideologiefreien Umgang mit dem Thema Hochbegabung bei Kindern riet der Psychologieprofessor Heinz Holling auf dem diesjährigen Overhagener Forum, das wieder einmal reges Zuhörerinteresse gefunden hatte. Der Münsteraner Intelligenzforscher führte aus, dass im Sport schon immer besondere Begabungen gesucht und gefördert würden, dass jedoch im Bildungsbereich sich immer noch manche Entscheidungsträger scheuen, Kinder mit einer hohen Begabung in bestimmten Bereichen gezielt zu fördern. Besondere Begabungen lassen sich im intellektuellen, sprachlichen, musischen und sportlichen Bereich entdecken. Oft seien Kinder in nur einem Bereich besonders begabt, zeigten in anderen Bereichen aber eher durchschnittliche Leistungen. Kinder, die in mehreren Bereichen hochbegabt sind, seien eher selten. An Hand von detaillierten Studien aus den USA und Deutschland belegte Holling, dass eine besondere Förderung von hochbegabten Kindern ermöglicht wird, wenn sie an speziellen Schulen, oder auch an normalen Lehranstalten in "D-Zug-Klassen" oder in Zusatzkursen für Schülerinnen und Schüler, die sich auf das Überspringen einer Klasse vorbereiten wollen, unterrichtet werden. Die Motivation dieser Kinder werde durch solche Maßnahmen enorm gesteigert. Der allergrößte Teil dieser Schüler gehöre nach dem Überspringen einer Klasse in der neuen Klasse bereits wieder nach kurzer Zeit zur Leistungsspitze. Den Anteil der Kinder, die die Schule in kürzerer Zeit durchlaufen können, gab Prof. Holling mit 20 – 25 % an. Die Sorge mancher Eltern und Lehrer um eine soziale Isolierung solcher Schüler hält er für unbegründet. Es gebe keine Hinweise darauf, dass diese Schülerinnen und Schüler Probleme in ihren sozialen Kontakten zu Mitschülern hätten, nur weil sie an besonderen Fördermaßnahmen teilnähmen. Wichtig bei allen Fördermaßnahmen sei aber einerseits eine gute und gründliche Auswahl und Beratung, andererseits aber auch die Möglichkeit, diese Entscheidung wieder rückgängig machen zu können. Holling, der u.a. als Berater für mehrere Landesregierungen und für die Bund-Länder-Kommission tätitg ist, warb für mehr Offenheit und Gelassenheit im Umgang mit hochbegabten Schülern. Schule und Gesellschaft müssten erkennen, dass Hochbegabung nichts Elitäres an sich habe. Natürlich seien nun auch eindeutige und klare Entscheidungen von den Kultusministerien zu treffen. Dass D-Zug-Klassen und ähnliche Förderprojekte erfolgreich zu organisieren seien, bewiesen unter anderem die Schulsysteme in Baden-Württemberg und Hamburg. Zum Schluss wies Professor Holling noch auf eine besondere Problematik hin. Hochbegabte Mädchen verhielten sich anders als hochbegabte Jungen. Während Jungen häufiger durch ihr Verhalten auffielen, verhielten sich Mädchen angepasster. Jungen würden deshalb eher bemerkt, Mädchen blieben oft unentdeckt. Dies gelte es bei allen Untersuchungen und Angeboten zu berücksichtigen. Im Anschluss an seine umfassenden Ausführungen stellte sich der Referent den zahlreichen Fragen seiner Zuhörer. Die rege Diskussion zeigte, dass das Gymnasium Schloss Overhagen mit dem Intelligenzforscher Heinz Holling einen Experten nach Lippstadt eingeladen hatte, der zum Thema Hochbegabung in sachlich fundierter Weise Stellung zu beziehen und Orientierung zu geben wusste.
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