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Podiumsdiskussion mit Paul Spiegel (Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland) in der Pausenhalle des GSO
Im Rahmen des Overhagener Forums war in der vergangenen Woche Paul Spiegel, der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, zu Gast im Gymnasium Schloss Overhagen. Nach kurzen einleitenden Ausführungen zur Geschichte der Juden und zu seiner eigenen Biographie stellte der gebürtige Warendorfer sich den kritischen Fragen nicht nur der Schülerinnen und Schüler, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit, die sich zu dieser Diskussionsrunde in der Pausenhalle des Overhagener Gymnasiums eingefunden hatte. Die vielen Fragen von Seiten der Zuhörer ließen das Bemühen um ein tieferes Verständnis des besonderen Verhältnisses zwischen Juden und Deutschen erkennen. Aber auch Kritik wurde spürbar, wenn Spiegel zur politischen Situation in Israel befragt wurde. Dass Paul Spiegel vor den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums und anderen Gästen sprechen konnte, hat mit seiner erstaunlichen Geschichte zu tun. Die Weichen für Paul Spiegels Leben waren eigentlich schon anders gestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte er mit seiner Mutter vom belgischen Exil aus nach Amerika auswandern. Die Schiffspassage war schon gebucht, die Koffer gepackt, als ein Brief aus Warendorf eintraf. Der Vater war nach seiner Befreiung aus dem KZ direkt nach Warendorf gegangen und forderte jetzt die Familie auf „nach Hause“ zu kommen. So kehrte der junge Paul Spiegel in das Land zurück, das die Familie ins Exil getrieben hatte, den Vater ins KZ gesteckt und die Schwester ermordet hatte. Trotzdem hebt Paul Spiegel hervor: „Ich habe eine glückliche Kindheit in Warendorf gehabt.“
Ob das Verhalten des Vaters etwas mit der besonderen Liebe der Juden zu Deutschland zu tun hat? Vielleicht, meint Paul Spiegel, aber diese Liebe war in der Geschichte ja meistens eine sehr einseitige – sie wurde nicht erwidert. Heute sieht Paul Spiegel Zeichen für die Möglichkeit eines neuen Anfangs. Die Demokratie in Deutschland ist gefestigt; Juden leben trotz allem, was geschehen ist, wieder in Deutschland. Für Paul Spiegel ist dies ein kleines Wunder – und der Zuzug, besonders aus Osteuropa, ist groß. Auch den Antisemitismus betrachtet er im Grunde als Randerscheinung; die deutsche Gesellschaft ist sicher nicht antisemitisch. Die Frage sei allerdings, wieviel Antisemitismus diese Gesellschaft dulden wolle. Die Bürger einer demokratischen Gesellschaft tragen die Verantwortung für den Zustand dieser Gesellschaft; die Bürger müssten deshalb auch deutlich und geschlossen gegen Antisemitismus und Fremdenhass vorgehen.
Was er denn von „Kollektivschuld“ oder „ Kollektivscham“ halte, wurde er gefragt. Gar nichts , meinte Paul Spiegel. Schuld setze doch immer individuelle Täterschaft voraus, niemand könne für einen anderen schuldig sein und mit Scham sei es das gleiche. Allerdings warnte er davor, aus der Geschichte auszusteigen und so zu tun, als ginge uns die deutsche Geschichte nichts an. Das sei naiv und gefährlich. Vor dem Hintergrund der historischen Erfahrungen müssten die Menschen in unserer Gesellschaft ein Verantwortungsgefühl für die politische Zukunft entwickeln. Es gelte sich für den Staat und die Demokratie – die beste Staatsform, die wir in Deutschland je hatten – einzusetzen. Auf Fragen zum Nahost-Konflikt betonte Paul Spiegel, dass er kein Israeli sei, sondern Deutscher. Allerdings sei der Staat Israel für Juden besonders wichtig, da er für sie eine Lebensversicherung darstelle. Manche Maßnahme der israelischen Regierung sehe er sehr kritisch; gleichzeitig wies er aber einseitige Kritik an Israel zurück und bat um Fairness
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