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GYMNASIUM SCHLOSS OVERHAGEN |
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„Zitronen? Kanonen?“
Literaturkurs des Gymnasiums Schloss Overhagen zeigt auf der Schlossbühne eine „Kästner-Revue“. Collage aus Kästner-Gedichten und selbst verfassten Szenen
OVERHAGEN Eine „Kästner-Revue“ geht am Mittwoch, 2. Juli, im Schlosstheater Overhagen über die Bühne. Der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasiums Schloss Overhagen hat unter der Leitung von Hans-Peter Königs „Lebensstationen und Lyrik von Erich Kästner“ - so der Untertitel - zu einer Szenencollage verarbeitet. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr.
Das Besondere an der Revue: Das Stück enthält nicht nur Texte von, sondern auch über Erich Kästner. „Ich finde es immer ganz schön, wenn Schüler nicht nur etwas spielen im Literaturkurs, sondern auch etwas schreiben. Deshalb haben wir uns zu Beginn des Schuljahres mit der Biographie Kästners beschäftigt und einzelne Schwerpunkte herausgearbeitet. Dazu haben dann Gruppen kleine Szenen entwickelt“, erklärt Hans-Peter Königs. Biographische Themen sind unter anderem Kästners Kindheit, die Beziehung zu seiner Mutter und die Zeit des Nationalsozialismus. So geht es in einer Szene um die Bücherverbrennung, die der Schriftsteller als Augenzeuge miterlebte und bei der auch seine eigenen Bücher vernichtet wurden.
Gedichte von Erich Kästner sind zum Teil als Versatzstücke in die Szenen eingebaut, zum Teil werden sie abgesetzt von ihnen präsentiert. So stellt Kästner in einer Szene, die zur Zeit der Weimarer Republik in einem Cafe spielt, zwei Dichterkollegen ein neues Gedicht vor, das er gerade geschrieben hat. Als später ein Kollege Goethes „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen“ rezitiert, sinniert Kästner: „Zitronen? Kanonen?“ Es gibt einen Blackout und es geht mit dem Lied „Kennst du das Land, wo die Kanonen blühen“ weiter.
Trotz einiger Liedeinlagen sei die Revue kein Musiktheater, betont Hans-Peter Königs. „Die Musik ist eher Beiwerk.“ Aber diese Art von Aufpeppung braucht Kästners Werk ja auch gar nicht. „Das ist schon eine tolle Fundgrube für Bühnenarbeiter“, so Königs.
Aufführung ist am
Mittwoch, den 02.07.2003 um 20.00 Uhr auf der Schlossbühne in Overhagen
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Pressebericht zur Aufführung Der Patriot, 4. Juli 2003
Opfer der Flammen Beeindruckende Kästner-Revue des Overhagener Literaturkurses
OVERHAGEN Die Hauptperson ist schon da, bevor die Handlung beginnt, hält sich aber still im Hintergrund und raucht den ganzen Abend lang stumm vor sich hin. In einen Goldrahmen gefasst, sieht Erich Kästner wohlwollend den Schülern des Literaturkurses über die Schulter und hört sich an, was deren „Kästner-Revue - Leben und literarische Werke“ denn so zu bieten hat. Unter der Leitung von Hans-Peter Königs hatten die Zwölftklässler des Gymnasium Schloss Overhagen eine Szenencollage erarbeitet, die Texte von und Texte über den Schriftsteller Kästner präsentiert. Die Handlung, die sich in mehrere Themenschwerpunkte gliedert, setzt am 23. Februar 1899 in Dresden ein. Erich Kästner ist soeben geboren und wird vom Hausarzt der Familie, Dr. Zimmermann, vorgestellt. „Ich musste der vollkommene Sohn sein“, lassen die Schüler Kästner sagen und ihn gleich darauf die bange Frage stellen: „Wurde ich's?“ Mit sparsamen szenischen Mitteln führen die Darsteller die Zuschauer dann durch die Kindheit des Schriftstellers, den viele heute nur noch als Kinderbuchautor kennen. Die Zuschauer erleben mit, wie der junge Kästner sich gegen die Lehrerlaufbahn entscheidet, weil er mit der am Dresdner Lehrerseminar hochgehaltenen autoritären Pädagogik nicht leben kann. Sie erfahren, dass der Erste Weltkrieg dem Autor die „Jugend raubte und die Augen öffnete“, und sind dabei, wenn er im Cafe die „Sachliche Romanze“ verfasst. Und auch wenn die Revue eher zum Nachdenken als zum Lachen anregen soll, gibt es durchaus vergnügliche Momente. So zum Beispiel, wenn einer der Freunde Kästners mit großer Geste ein Gedicht vorträgt oder sich zum Schluss einer der Darsteller mit Schwimmflügeln und Rettungsring durch ein wahres Meer von „dicken Herren und Weibern“ wühlt. Die Schüler verzichten dabei fast ganz auf Requisiten oder eine aufwändige Kulisse und lassen die Worte selbst wirken. Bei der Bücherverbrennung allerdings brechen sie aus diesem Schema aus und präsentieren eine beeindruckend verstörende Collage aus marschierenden Füßen, Trommeln und dem Verlesen der Namen derjenigen Schriftsteller, deren Werke den Flammen zum Opfer fallen. Dunkle Gestalten stapfen über die Bühne, brüllen ihre Parolen, während die Figur Kästners zusammengesunken am Bühnenrand sitzt und gar nicht hinschauen mag. Zum Glück tat das Publikum es ihm nicht gleich - es hätte eine sehr gute Aufführung verpasst.
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