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[ Schuljahr 2004/05 ]

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GYMNASIUM SCHLOSS OVERHAGEN

 

 

Thema des Overhagener Forums 2005

 

Der Islam und wir

 

dunckerLandeskirchenrat Gerhard Duncker aus Bielefeld, ein ausgewiesener Experte für den Dialog mit dem Islam, setzte sich am Gymnasium Schloss Overhagen in einem Vortrag auf dem diesjährigen Overhagener Forum mit der Frage auseinander, wie der Dialog mit dem Islam zu führen sei.

Viele Jahre lang war der Islam kein Thema in den Medien. Vielen galt er als exotische Religion, der zufällig auch der größte Teil der Menschen angehören, die aus der Türkei nach Deutschland einwanderten. Im Grunde wusste man nichts, oder fast nichts über diese Religion. Die Medienpräsenz des Islam änderte sich spätestens nach den Anschlägen auf die Twin Towers in New York. Wenn seitdem über den Islam in den Medien berichtet wird, dann steht der Name dieser Religion oft im Zusammenhang mit Terroranschlägen oder Gewalttaten. Diese Berichte werden noch angereichert durch Begriffe wie „Gotteskrieger“, „Dschihad“, „Kampf der Kulturen“ usw. - Begriffe, die komplizierte Zusammenhänge auf sehr einfache Erklärungen reduzieren und oft ein ehr einseitiges und negatives Bild dieser Religion entwerfen.

duncker3Wurde der Islam früher einfach nicht wahrgenommen, so ist unser Blick auf den Islam heute oft von Angst geprägt. Distanz und Misstrauen wachsen und dies ist nicht gut, wenn Menschen in einem Staat zusammenleben. Deshalb ist ein Dialog mit dem Islam notwendig, aber er ist – so Duncker – schwierig.

Denn zu einem Dialog gehören nun mal zwei. Ein Dialog ohne Partner ist nicht möglich. Wer ist Ansprechpartner auf Seiten des Islam? Den Islam, wie etwa die katholische Kirche, gibt es nicht. Der Islam kennt aus religiösen Gründen keine Strukturen, die den christlichen Kirchen vergleichbar sind.

Diese Probleme bestehen aber auch auf der anderen Seite. Wer – so fragte Duncker – sind eigentlich wir? Welche Ziele und Werte haben wir? Denn, wenn es in einem Dialog um Grundsätze für ein Zusammenleben geht, muss über Werte diskutiert werden. Diese Diskussion dürfe aber nicht schwammig bleiben, beide Seiten müssen in der Lage sein, ihre Werte zu definieren und gleichzeitig bereit sein, sich mit den anderen auseinander zu setzen. Duncker beklagte dabei die scheinbare Toleranz unserer Gesellschaft. Vielfach sei das, was wir unter Toleranz verstehen, nur Desinteresse; wenn wir aber mit anderen in einem Dialog verlässliche gemeinsame Werte definieren wollen, müssen wir schon über unsere ethischen Vorstellungen Klarheit haben.

Weitere wesentliche Bedingungen für einen Dialog sieht Duncker im gegenseitigen Respekt, im Verzicht auf Maximalforderungen und in der Offenheit. Dabei sieht Duncker durchaus gute Chancen für ein Gespräch mit dem Islam. Denn – so führte er weiter aus – wir können die Moslems nicht alle über einen Kamm scheren, neben den Gruppen, die sich lieber in ihre gesellschaftlichen Nischen zurückziehen, gibt es viele, die fest in unsere Gesellschaft integriert sind und selbst ein Interesse an einem fairen Dialog haben. Nur müsse dieser Dialog, den man schon vor Jahren hätte führen sollen, endlich ernsthaft begonnen werden. Dabei erwartet er auch von der Seite der nicht-religiösen und der christlichen Europäer Respekt für eine andere Religion.

duncker2Duncker erläuterte dies an dem Fall des ermordeten niederländischen Regisseurs van Gogh. Duncker lehnte die brutale Tat deutlich ab; er erklärte aber, dass er die Wut von Moslems über van Gogh verstehen könne, da er ihre Religion und sie selbst massiv beleidigt habe, indem er Verse des Korans auf nackte Frauen gemalt habe. Dies könne man nicht tun, wenn man fair miteinander umgeht. Auch in einer modernen Gesellschaft gebe es Grenzen, die ein verantwortlich Denkender nicht überschreiten dürfe.

Zum Schluss seines Vortrags am Overhagener Gymnasium schnitt Landeskirchenrat Duncker noch ein weiteres strittiges Thema an, den Beitritt der Türkei zur EU. Duncker, der sich lange in der Türkei aufgehalten hat, verwies auf die großen Anstrengungen des Landes zur Demokratisierung und erläuterte, dass es neben der stark traditionell geprägten Türkei auch eine sehr moderne und aufgeschlossene Türkei gebe. Er verwies darauf, dass die Türkei das einzige islamische Land sei, in dem es einflussreiche Bürgerbewegungen für mehr demokratische Rechte gebe.

Darum – so Duncker – wäre es unfair, das Versprechen nicht zu halten, das die Europäer den Türken gegeben haben.

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