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Overhagener Forum 2008
Prof. Dr. Ludwig Siep (Münster)
– Konkrete Ethik – Orientierung im Umgang mit der Natur
Darf „Herr der Welt" klonen? Prof. Dr. Ludwig Siep referierte beim Overhagener Forum zu sensiblem Thema
OVERHAGEN Hoher Besuch, großer Andrang: Rund 130 Zuhörer zog der Vorsitzende der deutschen Ethik-Kommission Stammzellenforschung, Prof. Dr. Ludwig Siep, am Mittwochabend im Rahmen des Overhagener Forums in seinen Bann. Im Schlosstheater stand dabei neben grundsätzlichen Ethik-Fragen auch das Klonen von Menschen im Fokus der Diskussion.
Ob das Klonen nun ethisch vertretbar sei oder nicht, darauf mochte selbst der anerkannte Experte der Uni in Münster im Laufe des Abends keine eindeutige Antwort geben. Vielmehr brachte er seinem interessierten Publikum Pro und Contra zu diesem sensiblen Thema näher. Soziale Fairness, der Verlust der natürlichen Verteilung (etwa von Eigenschaften und Begabungen) sowie der hohe Erwartungsdruck an geklonte Lebewesen sprächen eindeutig gegen das Klonen. Die Chance auf Heilung besonders schlimmer Krankheiten hingegen hielten viele Menschen für ein starkes Argument, zumindest die Stammzellenforschung zu legalisieren.
In Deutschland stelle sich die Rechtslage derzeit wie folgt dar: Während die Erzeugung embryonaler Stammzellen in Deutschland gänzlich verboten sei, bestehe eine Sondererlaubnis für Importe aus dem Ausland. „Aber nur bei wirklich hochrangigen Forschungszielen", wie der Experte entschlossen nachschob. Indes sei es Aufgabe seiner Kommission, die aus fünf Naturwissenschaftlern, zwei Theologen, einem Medizin-Ethiker und ihm bestehe, jeweils im Einzelfall zu entscheiden, ob und wie sinnvoll eine Einfuhr der Stammzellen ist.
In der Diskussion, wo der Mensch grundsätzlich in der Weltordnung stehe, plädierte Prof. Dr. Ludwig Siep später für einen „gemäßigten Anthropozentrismus". Dabei habe der Mensch generell zwar eine Sonderstellung, sei quasi der „Herr der Welt". Indes habe er aber im Gegensatz zum klassischen Anthropozentrismus kein bedingungsloses Verfügungsrecht über sämtliche Kreaturen. Vielmehr halte die Ehtik für viele Völker die Möglichkeit bereit, sich eine gemeinsame „möglichst gute Welt" aus Konsensen und Gemeinsamkeiten zu erarbeiten. stn
Quelle: Der Patriot - Nr. 226 vom 26. September 2008.
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