|
Wettstreit der Argumente
Erstmals fand am Gymnasium Overhagen die „Lange Nacht der Debatten" statt
Es sieht fast so aus wie im Fernsehstudio zu Franz Plasbergs Sendung „Hart aber fair". Das Publikum sitzt auf seinen Plätzen und wartet gebannt auf die Talkshow-Gäste. Schließlich ist es soweit, nacheinander treten die Gäste ans Pult. Doch es sind keine Politiker, Journalisten und andere Fachexperten, die miteinander fachsimpeln, sondern Oberstufenschüler, die sich im Rahmen der „Langen Nacht der Debatten“ am Gymnasium Schloss Overhagen einen Wettstreit der Argumente liefern.
Sie führen in der Pausenhalle des GSO ein Streitgespräch über das Thema „Sollten Ersatzschulen sich ganz ohne staatliche Unterstützung finanzieren“. Ihre Rollen sind klar verteilt. Zwei Schüler sprechen sich bei der Saaldebatte für die Abschaffung der staatlichen Unterstützung aus, zwei Schüler suchen Argumente für die weitere Finanzierung staatlich anerkannter Ersatzschulen.
Im Rahmen der dreistündigen Veranstaltung, die von Lehrerin Ingrid Morfeld organisiert worden war, fanden neben der Saaldiskussion auch vier kleinere Schnupperdebatten in den Klassenräumen statt. Dort ging es um Fragen wie „Soll der Unterricht generell um 9 Uhr beginnen?“ oder „Sollen alle Schule inklusive Schulen werden?“.

Interessierte Eltern, Lehrer und Gäste durften den Schülern bei ihren Debatten, die aus Eröffnungsrede, freier Aussprache und Schlussrunde bestanden, zuschauen. Zwei Dutzend Schülerinnen und Schüler des GSO wirkten bei den verschiedenen Diskussionsrunden an der „Langen Nacht der Debatten“ mit. „Wir wollen bei den jungen Menschen Interesse für Politik wecken", umschrieb Ingrid Morfeld das Ziel der Veranstaltung. Seit acht Jahren nimmt Lippstadts kleinstes Gymnasium an dem Bundeswettbewerb „Jugend debattiert“ teil. Davon profitiere auch die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler, so Morfeld. „Die Jugendlichen lernen bei dem Wettbewerb, fair und nach festen Regeln miteinander zu debattieren. Sie werden in der freien Rede sicherer, was sich später ebenfalls auf den Schulunterricht auswirkt.“
Keinen leichten Stand an diesem Abend hatten vor allem Fabian Flürenbrock und Philipp Prinz, die sich bei der Saaldebatte für die Abschaffung der finanziellen Unterstützung der Ersatzschulen aussprechen mussten. „Als Schüler des Gymnasiums Schloss Overhagen fällt es uns schwer, die Pro-Seite zu vertreten“, gaben die beiden zu. Aber sie hatten gut recherchiert und führten vor allem die jährlichen Unterhaltungskosten von 1,1 Milliarden Euro für die 460 Ersatzschulen in Nordrhein Westfalen sowie den demografischen Wandel als Punkte für die Streichung der finanziellen Unterstützung an. Die Gegenseite, vertreten von Tim Mollenhauer und Maria Blumenröhr, argumentierte hingegen damit, dass viele private Ersatzschulen schließen müssten, wenn es keine staatliche Unterstützung mehr gebe. Damit sei die Vielfalt der Schullandschaft gefährdet. Gut argumentiert und sich fachlich hervorragend informiert hätten die Schüler, lautete schließlich das einhellige Urteil der Jury. Es sei eine sehr spannende und hitzige Debatte gewesen, zog die Jury-Vorsitzende Anja Berger-Henkelmann Bilanz. mes
Quelle: “Der Patriot” vom 17.01.2012
|