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Portrait des Gymnasiums Schloss Overhagen - aus der Sicht einer Schülerin.
Als ich eines Nachmittags für die Gruppenarbeit im Fach Biologie von der Gräfte und dem angrenzenden Auenwald Fotos schoss, sie nach dem Entwickeln aufklebte und sie mir ansah, wurde mir erst richtig klar, dass wir als Schüler auf unsere Schule, eine Schule im Grünen, stolz sein können.
Vielleicht könnt Ihr mich besser verstehen und nachvollziehen, was ich denke und fühle, wenn ich Euch “meine Schule im Grünen” vorstelle und beschreibe. Aber erst einmal will ich ein paar formale Dinge klären: Ich gehe auf das Gymnasium Schloss Overhagen – oder kurz GSO – in die achte Klasse. Morgens fahre ich mit dem Fahrrad um ungefähr 7:30 Uhr in Richtung Schule los. Auf dem Weg zur Schule erwartet mich meine Freundin, die in Overhagen wohnt. Zusammen erreichen wir dann die Schule um 7:45 Uhr – also zehn Minuten vor Schulbeginn. Wenn es mal regnet – nicht gleich jammern – muss das Regencape eben herhalten. Manchmal beneide ich meine Freundin, da ihr morgens im Winter nicht der eisige Wind um die Ohren weht. Sie wohnt nämlich nur ein paar Minuten vom GSO entfernt. Natürlich bietet mir der Bus eine wärmere Fahrmöglichkeit zur Schule. Aber die nehme ich nur in Notfällen – wie Schnee oder Glatteis – an, denn ich fahre lieber mit dem Fahrrad zur Schule.
Wie bei jeder Schule ist es auch Overhagens Ziel, dass die Schüler fleissig sind, etwas lernen und ihr Abitur schaffen. Aber Overhagen will den Schülern auch noch etwas anderes, das menschliche Miteinander, mit auf den Weg geben. Es soll ein guter Kontakt zwischen Lehrern und Schülern bestehen. Dieser Kontakt entsteht aus dem, was Lehrer und Schüler an Menschlichem herüberbringen. Durch ein menschliches Miteinander und einen guten Lehrer - Schüler - Kontakt entsteht auch die Atmosphäre, in der gelernt wird. Das ist aber nur ein Punkt, warum sich viele Schüler für das GSO entschieden haben, denn nach der Schule, wenn einem der Magen knurrt, kann jeder Schüler in der Caféteria ein preiswertes warmes Gericht zu sich nehmen. Nachmittags ist dann in den Klassenräumen Silentium, das heisst, dass die Schüler unter Aufsicht eines Lehrers ihre Hausaufgaben erledigen und Förderunterricht nehmen können. Das habe ich zwar noch nicht in Anspruch genommen, aber die Idee mit der Caféteria finde ich ganz toll! Man könnte mich zu den Stammkunden des Kiosk in der Pausenhalle zählen, wo ich mir fast jeden Tag einen Schoko - Croissant kaufe. Aber unser Hausmeister, Herr Harlinghausen, verkauft – unterstützt von einer Lehrerin - nicht nur Schoko - Croissants oder Brötchen, denn von Joghurt über Süßigkeiten und Cola ist bis zum Eis alles vertreten. Für alle gehfaulen Schüler ist das GSO sehr praktisch, da es keine Treppen hat. Aber das macht unsere Schule für Gehbehinderte so optimal. Die bunten Wandmalereien in den Gängen, die von Oberstufenschülern angefertigt wurden, schmücken die kahlen Wände und machen das trostlose Schulgebäude mit den warmen Farben wieder lebendiger und fröhlicher. Wer das Logo des GSO betrachtet, wird bemerken, dass darauf ein Baum, die Gräfte und das Schloss abgebildet sind. Um die Pavillons herum, in denen der Unterricht stattfindet, ragen hohe Baumkronen über die Gräfte. Wenn sich im Winter dann die ersten Eiszapfen bilden und die Gräfte zugefroren ist, kommen die Schüler sogar freiwillig nachmittags zur Schule – zum Schlittschuhlaufen und Eishockey, versteht sich.
Und jetzt aufgepasst! Irgendwann wird der Musikraum des Schlosses auf vielen Bildschirmen in ganz Deutschland zu sehen sein, da hier vor kurzem eine Szene für einen Fernseh - Thriller von RTL gedreht wurde. Wer hätte das gedacht?
Ausserdem spielt und probt die Theater - AG unserer Schule alle 14 Tage auf der Schlossbühne. Vielleicht befindet sich ja unter den jungen Darstellern ein junges Talent, das später auch zum Fernsehen geht. Zwei unserer ehemaligen Jungschauspieler haben es übrigens schon geschafft: der eine besucht jetzt eine Schauspielschule, der andere hat eine Anstellung am Schauspielhaus in Hamburg. In die Kulturarbeit der Stadt Lippstadt ist unsere Schlossbühne auch eingebunden, und die Künstler lieben die intime Atmosphäre der Aufführungen, bei denen jeder Besucher herzlich willkommen ist. Ausser der Theater - AG bieten Lehrer und Lehrerinnen nachmittags noch weitere 13 AGs wie die Angel -, Badminton - oder Foto - AG an. Sogar eine PC - AG nur für Mädchen ist dabei! Ganz nebenbei, unsere Schule hat auch eine Schülerzeitung. Das finde ich super, denn so erhält man viele interessante Neuigkeiten am GSO. Alle Jahre wieder finden, wie an vielen anderen Schulen auch, die gleichen üblichen, traditionellen Veranstaltungen statt: Darunter sind die Weihnachtsfeiern, die Abi - Feten, die Projekttage und die Wanderwoche. Die Projektwoche findet in der letzten Woche vor den Sommerferien statt. Da in dieser Zeit wohl in keiner Schule noch richtig Unterricht stattfindet, bieten Schüler und Lehrer, aber auch Eltern, verschiedene AGs an. Letztes Mal habe ich selbst mit zwei Freundinnen eine Seidenmalerei - AG angeboten. Obwohl es manchmal stressig war, hat es doch auch sehr viel Spaß gemacht.
Nun, ich hoffe, Ihr habt jetzt einen Eindruck davon erhalten, wie ich lebe und wie mein Tagesablauf aussieht; und vielleicht konnte ich Euch auch einen Eindruck vom Gymnasium Schloss Overhagen, meiner Schule, vermitteln.
Der Text wurde von einer Schülerin einer Klasse 8 am Gymnasium Schloss Overhagen für die Schülerzeitung (Ausgabe vom Frühjahr 1997) geschrieben.
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